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WALDKIRCH. Gerangel auf den Matten, Bänken und Kästen, die in der Waldkircher Stadthalle aufgestellt sind: Weit über 200 Kinder drängeln auf einen Platz, es geht zu wie im berühmten "Hühnerstall". Energisch greifen neben den Lehrern der Dritt-und Viertkläßler aus der Kastei- und Schwarzenbergschule auch Walter Brunner und Birke Lindner vom Potz Blitz Theater aus München durch: Schließlich soll jeder etwas zu sehen bekommen.
Der letzte sitzt, die Theatermacher beginnen, und runde 60 Minuten lang verfolgen die Schüler aufmerksam das Geschehen auf der mit wenigen Mitteln errichteten "Bühne", die keine ist, weil sich alles auf einer Ebene abspielt. "Saure Drops", ein Theaterstück "zur Suchtprävention für Grundschüler", ist angekündigt, doch statt moralinsaurer, langweilig-pädagogischer Kost entpuppt sich das Ding als witziges Spektakel, das seine Botschaft nebenher verkauft. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Ausländer- und Jugendberatung der Stadt Waldkirch in Zusammenarbeit mit der Kreisjugendpflege Emmendingen.
Tilly und Friedrich, die "Haupt personen", sind so recht zur Identifikation geeignet. Tilly, Pippi Langstrumpf-Surrogat in gelb schwarz geringelten Strümpfen und mit roten Haaren, lernt gerade Rollschuhfahren, läßt keine Frage aus, die gestellt werden kann, und ist, wie ihr Kinderbuchpendant, ausgesprochen aufmüpfig und neugierig. Außerdem klebt die Göre an Friedrich, was diesem anfangs reichlich lästig ist, denn er ist als Kurier in höchstwichtigen Angelegenheiten unterwegs und hat keine Zeit für Kindereien: Es geht um Millionen und um einen Pillentransport.
Will sagen: Friedrich erledigt Einkäufe für Hausbewohner, muß für Frau Maier einen Lottoschein abgeben und für diverse Auftraggeber Rezepte in der Apotheke einlösen. Ansonsten ist Friedrich, dessen äußeres von Ernie und
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SUCHTPRÄVENTION einmal anders: Dritt- und Viertkläßler der Kastei- und Schwarzenbergschule beim Theaterstück in der Stadthalle. Bild: Schork
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Bert aus der Sesamstraße inspiriert scheint, ein, um im Bild zu bleiben, ewig fressendes Krümelmonster in Lederhosen. Was er sich indes zuführt, sind "viele, viele bunte Smarties". Beide, Friedrich und Tilly, sind lebensgroße, schlaksige Puppen, die, an den Schuhen der Schauspieler festgenäht, am Kopf mit der Hand geführt Werden.
Während Friedrich kritiklos seine Aufträge erledigt, denn er braucht das Geld, um sich seine tägliche Dosis an Smarties einverleiben zu können, bleibt Tilly skeptisch. "Für was sind denn die Pillen? Ist Deine Mutter denn krank" - "nöh", antwortet verdutzt der Jungunternehmer. Das hat er sich noch nie überlegt, ist doch ganz normal, einen Haufen Pillen daheim zu haben, oder nicht? "Nein", brüllen die Waldkircher Kinder im Chor. "Ja, habt ihr keine daheim?" - "Doch", tönt es nun, merklich leiser. Es wird deutlich, daß die kleinen Zuschauer zwar sehr genau wissen, was nicht sein soll, warum aber, ist ihnen offensichtlich nicht klar.
Da schafft das Stück Abhilfe. An Friedrich sehen die Grundschüler den Kreislauf der Abhängigkeit: Je frustrierter er ist, desto mehr Smarties braucht er. Und auf Werbung fällt er auch herein: Daß Vitamingelee nichts nützt,
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wenn man schlecht in Mathe ist, auch wenn dreimal "die Zauberformel für die Gesundheit" draufsteht und der "stärkste Typ der Schule" verheißen wird, muß ihm die Apothekerin verklik-kern. Die hat auch eine Liste parat, die die merkwürdigen "E" auf den Lebensmitteln erklärt.
Ziel des Stücks ist es, erkläutern die Theatermacher in einer Presse information, "Kinder für gesundheits gefährdende und suchtfördernde Lebensstile zu sensibilisieren, bevor sich entsprechende Verhaltensweisen und Konfliktbewältigungsmuster herausbilden können". Der Gebrauch von Pharmaka soll hinterfragt, das eigen-ständige Denken gefördert werden.
Friedrich wird vom Saulus zum Paulus bekehrt, nachdem Tilly aus Versehen eine Tablette verschluckt hat und -heiliger Lerneffekt - erbrechen mußte: wie eklig. Er transportiert keine Pillen mehr, und die geliebten Smarties gibt er auch auf, weil manche der Farbstoffe allergen wirken. Seine Mission lautet in Zukunft: "Knacken des Geheimcodes" der E-Nummern auf Lebensmitteln. Und die Kinder wissen das alles nun auch ganz genau, ohne daß es ihnen mit Penetranz eingehämmert worden wäre. DOROTHEA SCHORK
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