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Presse zu "Ich bin der Boss!" (1)


Straubinger Tagblatt

Potz-Blitz-Theater gastierte in der Grundschule St.Stephan

Cool sein wie Terminator ist nicht cool

Präventions-Stück "Ich bin der Boss!" machte Spaß und regte zum Nachdenken an

"Killerbande, Menschenfresser, Schwertgangster, Black Killer, ..." Vorschläge, wie die gemeingefährliche Bande von August heißen soll, haben die rund 150 Kinder in der Turnhalle der Volksschule St. Stephan genug. Ein richtig actiongeladener Namen soll es sein. Da sind sie sich mit dem Filmfan August einig. Anfangs finden sie es auch noch ganz lustig, wenn er Karli immer nur rumkommandiert. Doch dann schlägt die Stimmung um. Die Kinder kommen ins Grübeln und rücken August ein wenig den filmverdrehten Kopf zurecht. Das ist genau das, was Birke Lindner und Walter Brunner vom Potz-Blitz-Theater mit ihrem Gewaltpräventions-Stück "Ich bin ist der Boss!" erreichen wollen.

"Mein Name ist Bond, James Bond..." Und schon fliegt eine rote Plastikkugel als Tränengas-Bombe quer über die Bühne. Eine lebensgroße Puppe in Schlabberhosen und hochgekrempeltem Trikot-Shirt geht samt Schauspieler Walter Brunner hinter ein paar Plastiktonnen und Mülltüten in Deckung. Solche Sprüche und Aktionen sind bei August ganz normal. Er guckt leidenschaftlich gern Actionfilme. Oder Western. Und schon steckt er sich einen kaputten Besen als Federschmuck ins Haar und schleicht als Häuptling Stampfender Büffel um seinen Kumpel Karli, gespielt von Birke Lindner. Zum Lachen.
Das Lachen vergeht Karli und den Kindern aber ziemlich schnell, als er ein Zwei-Euro-Stück findet. "Rück's raus. Du hast keine Chance", droht August ganz harter Kerl und steigt ihm mit Absicht auf die Finger. August ist cool. Cool wie Terminator, Karate Tiger und alle blutrünstigen Rothäute zusammen. Und Karli muss kuschen. Er bekommt auch nichts von den Chips, die er für August holen muss. - "Hey, du bist gemein", schimpft ein Kind. Doch das interessiert August nicht. Karli soll lieber den Müll weg räumen während August die Chips in seinen Magen räumt. überhaupt nicht lustig.

Miteinander etwas aufbauen

Das wird anders als August urplützlich nach Hause spurtet, weil sein Onkel die neuesten Actionfilme vorbeibringt. Alleingelassen lernt Karli Cloe kennen. Und die ist richtig nett. Gemeinsam bauen sie aus dem umherliegenden Schrott ein Auto und reisen in ihrer Phantasie bis nach Italien ans Meer. Cloe will unbedingt wiederkommen und weiter mit Karli spielen. Das macht Spaß. Aber als das August, der inzwischen zum Ninja-Krieger mutiert ist, erfährt, platzt ihm der Kragen. Das Auto ist doch nur Scheiß. Mädchen sind blüde. Und Karli soll nicht mehr rumquatschen, sondern ein Stromkabel für den Fernseher verlegen. Karli verdrückt sich, bevor er noch Beulen von Augusts Karate-Attacken kassiert. Dafür kommt Cloe wieder und will mit August Freundschaft schließen. Aber wenn sie in die Bande aufgenommen werden will, muss sie eine Mutprobe bestehen.

"Schließlich bin ich der Boss!" Cloe bekommt ein kleines Stück Holz in die Hand gedrückt und August zielt mit seinem selbstgebauten "Todes-Wurf-Stern" auf sie. Das Publikum schreit auf.

Prävention macht Spaß

Und Marcus Niepmann vom Stadtjugendring lächelt. Das Präventions-Stück wirkt offensichtlich. Zusammen mit dem Stadt- sowie dem Kreisjugendring hat Werner Lokotsch von der Fachstelle für Suchtprävention die Theatergruppe Potz-Blitz nach 2001 zum zweiten Mal aus Mickhausen bei Augsburg nach Straubing geholt. Prävention kann auch Spaß machen und wirkt dann doppelt, ist ihre Devise. Fast 300 Grundschulkinder haben sich die beiden Vorstellungen am Donnerstagvormittag angesehen und waren ganz aus dem Häuschen. Dass der Wurf-Stern wirklich gefährlich ist, hat August nämlich zu Genüge an einer Styroporplatte bewiesen. Cloe flieht unter dem Gekreische der gebannten Kinder: "Auf so eine Bande pfeife ich." Und August triumphiert: Nun hat er das Lager wieder für sich und der zurückkehrende Karli kann wieder bei den Actionszenen die Leiche spielen. Jetzt wird's ungemütlich. Buh-Rufe. Und Karli will auch nicht mehr. Die Kinder haben ihm alles brühwarm verraten. Wie Cloe geschimpft hat und August ihr fast ein Loch in den Kopf gemacht hätte. Gemeinsam rücken Karli und die Kinder August den Kopf zurecht, erklären ihm, dass nicht immer einer der Boss sein muss, dass miteinander Spielen einfach mehr Spaß macht. Am Ende sieht es August ein und holt Cloe zurück in ihr gemeinsames Spiellager. Beim Publikum dürfte einiges über Gewalt- und Fernsehsucht angekommen sein, vermutet Walter Brunner alias August. "Auch wenn sich vor allem die älteren Kinder besonders cool gegeben haben, sie reden darüber und vielleicht hilft's." Und das sei schon alles, was sie wollten.      -dg-

Ich bin der Boss! - Szenenfoto

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