Arbeitsmaterial zu "Saure Drops" - Teil 1 - 2
zusammengestellt und ausprobiert von : Marion Weigl und Gertraud Eiglmeier, Dipl.Soz.Päd (FH), Passau
Material zum Vorbereitungstreffen für GrundschullehrerInnen
1. Vorbereitung mit dem Tank- Modell:
In kleinen Gruppen sollen die Kinder vier Themenbereiche bearbeiten:
- Was brauchen wir in unserem Tank, damit der Motor immer wieder anspringt
(Dinge, die uns gut tun, Freude machen, Energie liefern....)
->Arbeitsblatt siehe Abb.1 - Welche Tankstellen gibt es in unserem Leben?
(Personen, Situationen, in denen wir auftanken können...)
->Arbeitsblatt siehe Abb.2 - Was leert unseren Tank immer wieder aus?
(was kostet uns Kraft, Nerven, Energie...)
->Arbeitsblatt siehe Abb.3 - Was passiert, wen der Tank leer ist und unsere Lieblingstankstelle nicht in Sicht ist?
(Welche Ersatz-Energie beschaffen wir uns?)
->Arbeitsblatt siehe Abb.4
Der Vergleich mit einem Auto, das nur mit dem richtigen Kraftstoff (oder auch mit irgendwelchen Ersatzstoffen!?) läuft, ist den Kindern vertraut und hilft ihnen, für sich die Frage nach den Energiespendern des Lebens (Nahrungs- und Genussmittel, Freude, Lob, Zuwendung, Erholung, Freizeit......) zu klären. Auch die Frage nach den Ersatz-Energien (wenn es einem mal nicht so gut geht) wird die Kinder recht schnell auf die Spur der alltäglichen Trostspender bringen. (Lehrer, die in einer eigenen Vorbereitung die Methode des Tank-Modells für sich selbst ausprobieren konnten, verwenden diese Anregung mit mehr Sicherheit und eigener Einsicht / Selbsterkenntnis!!)
2. Extra-Stunde mit Schülern machen (z.B. als Fragestunde) :
- Was hat euch an diesem Stück am besten gefallen?
- Was ist euch aufgefallen?
- Habt ihr ähnliche Erlebnisse schon mal im Freundeskreis oder daheim erlebt? (x) s.u.
- Was ihr schon immer mal über Pillen, Drogen, Alkohol und Süßigkeiten wissen wolltet: fragt, soviel Ihr wollt! (kann man auch mit Hilfe von anonymen Fragezetteln machen)
Diese Extra-Stunde kann in jedem Fach eingebaut werden und sollte möglichst bald nach der Aufführung gemacht werden, (z. B. einen Tag darauf!), da die Eindrücke noch frisch sind und das Interesse der Schüler noch größer.
(x) Sensibilisiert durch das Theaterstück, ist hier bei den Kindern erfahrungsgemäß große Offenheit vorhanden, die zur weiteren Arbeit genutzt werden kann. Vorsicht und Fingerspitzengefühl ist notwendig bei sehr persönlichen Berichten aus der Familie: das Kind erzählen lassen, aber nicht ausfragen. Gewicht legen auf die kindlichen Gefühle in den fraglichen Situationen, die Verhaltensweisen der Erwachsenen möglichst neutral kommentieren ( Schweigepflicht der Klassenkameraden ist in diesem Alter noch nicht realisierbar!)
3. Ideensammlung in Form einer Kollage
Möglich z.B. im Zeichenunterricht, Deutsch, HSK... : Kollage zu Themen, die aus der Nacharbeit des Stückes entstanden sind:
- Mit bunten Zeitschriften und auch Zeitungen (schwarz-weiß) können die Schüler
einzelne Plakate oder ein gemeinsames großes Plakat gestalten, das dann im
Klassenzimmer aufgehängt wird:
z. B. mit der Fragestellung: Wo findet ihr in Zeitschriften oder Zeitungen Werbung über Süßigkeiten, Medikamente, Biovital u.a, Alkohol, [Nikotin]? - ausschneiden und auf Plakat kleben, zusätzlich mit Beschriftung und kurzen Erläuterungen
- Material: Zeitschriften, Zeitungen zum Unterlegen, Klebstoff, Scheren, bunte Stifte, großer bunter Plakatkarton
- Wichtig: mit den Kindern hinterfragen, was die Werbung verspricht, wie sie uns etwas verspricht, ob das Produkt dieses Versprechen halten kann, warum Werbung überhaupt nötig ist......
- Weitere Frage, die in diesem Zusammenhang auftaucht:
Was heißt der Satz : Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker ?
Packungsbeilage von einem Medikament gemeinsam mit Schülern lesen und besprechen: z.B. 2-3 Medikamentschachteln mitnehmen (eventuell vorher Übersetzungshilfe beim Apotheker erbitten), möglichst freiverkäufliche, den Kindern bekannte auswählen.
Es darf bei unserer Arbeit nicht darum gehen, Medikamente zu verteufeln, sondern den Kindern zu zeigen, dass- Werbung Versprechungen macht, die wir nicht glauben müssen
- es einen Unterschied gibt zwischen notwendigen, vom Arzt im Zusammenhang mit einer bestimmten Krankheit verordneten Medikamenten und den freiverkäuflichen, von der Werbung angepriesenen und ohne fachlichen Rat angewendeten Heilmitteln !
4. Schulstunde zum Thema: Gesund leben mit Hausmitteln statt Pillen
Die Ideen der Schüler auf Plakat sammeln und im Klassenzimmer aufhängen oder besser noch als Hausaufgabe von zuhause mitbringen als Anschauungsmaterial:
- was kennt ihr für Hausmittel?
- was nehmt Ihr, wenn Ihr krank seid / was kennt Eure Mutter/Großmutter für
natürliche Heilmittel, Tricks, Familienrezepte?
z.B: bei Erkältung: Kräutertees, Salbeitee gurgeln, Kamillendampfbad inhalieren (wißt ihr wie inhalieren geht?),Halswickel, Luftbefeuchter im Winter in allen beheizten Zimmern an der Heizung aufstellen (Warum? Gefahr der Austrocknung der Schleimhäute der Nase und dies begünstigt die Entstehung von Schnupfen!), Duftöle, Eukalyptusbad, heißes Fußbad, hinlegen, ausruhen, viel schlafen und entspannen......
Die Sammlung der Kinder kann und soll natürlich durch ihre eigenen Erfahrungen bereichert werden. Eventuell das eine oder andere in der Schule selbst auszuprobieren, wäre toll, um den Kindern zu zeigen:- Dies alles kann ich beherzigen, anstatt vorschnell zu starken Medikamenten zu greifen!
- Wenn ich es schaffe, auf meinen Körper zu achten und ihn möglichst "natürlich" gesund zu halten, brauche ich auch nicht leichtfertig zu Suchtstoffen zu greifen!
5. Weiterführung: Gesunde Ernährung mit möglichst natürlichen Lebensmitteln
Die Farbstoffliste, die die Kinder zum Schluss des Stückes bekommen, kann Anreiz sein, über unsere konservierten und gefärbten Nahrungsmittel zu sprechen.
- Als Hausaufgabe z.B. leere Verpackungen von den zu Hause üblichen Lebensmitteln oder Lieblingssüßigkeiten der Kinder mitbringen lassen, im Unterricht auf E-Nummern überprüfen.
- Auch ein Einkaufsgang ins nächste Geschäft wäre denkbar, mit konkreten Aufgaben für kleine Gruppen (Süßes ohne E-Nummern, Joghurt ohne Zusatzstoffe, gesundes Pause-Essen....Ihrer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt!)
Klar werden soll: Wenn es uns nicht so gehen soll wie der Ente Berta, müssen wir uns anders ernähren: ausgewogen, vitaminreich, wenig Süßigkeiten, nicht zuviel und nicht zuwenig essen u.a.
Zusatz für den Sportunterricht:
Zum gesunden Leben gehört auch, regelmäßig Sport zu treiben(deshalb geht es
Tilly ja auch so gut, wenn sie im Rollschuhlaufen Fortschritte macht...) und
Entspannungsübungen anwenden zu können:
Was kennt Ihr für Entspannungsübungen?
Habt Ihr im Sportuntericht schon mal welche ausprobiert?
Kennt Ihr z.B. Yoga, Autogenes Training, Tai chi, Massage und anderes?
Wißt Ihr, daß Ihr durch Bewegung, Sport und Entspannung Ärger abbauen könnt?
Und Wut, Spannungen und Streß!
Schwitzen und sich körperlich anstrengen tut also zwischendurch ganz gut!
Wir als Pädagogen sollten in diesem Zusammenhang von Zeit zu Zeit auch die Benotung sportlicher Aktivitäten hinterfragen (Entmutigung der ohnehin schon sportlich Schwachen!?!) und eventuell Alternativen suchen!
6. Projekt entwickeln zum Thema : Gesund leben
So ein Projekt könnte gemeinsam mit den Schülern, Lehrern und Eltern entwickelt werden und als Motto des Schuljahres oder als roter Faden für den Rest des Schuljahres weiter verfolgt werden.
Ideen (auch aus den obigen Vorschlägen):
- Hausmittel und natürliche Heilmethoden sammeln und mit den im Unterricht entstandenen Kollagen eine kleine Ausstellung gestalten
- in eine Schulstunde einen Heilpraktiker, Homöopathen oder Allgemeinarzt einladen
- beim Elternabend dies als fachliches Thema einbauen (oder noch besser die Ausstellung zu einem eigenen Elternabend benützen, ev. fachliche Unterstützung s.o.)
- Unterricht als suchtpräventive Maßnahme: von Zeit zu Zeit etwas Luft lassen in den Schulstunden: Zeit und Gelegenheit geben für Gespräche! ( Was tut mir gut?(Hobby, Freunde, Sport u.a. ), denn schöne Dinge und Beschäftigungen, die mir gefallen und gut tun, fördern mein Wohlbefinden und wenn es mir gut geht, brauche ich nicht so schnell (oder am besten keine) Suchtmittel.
- den Kindern bewusst machen, was nötig ist, um einer Suchtentstehung
vorzubeugen?
Mut, nein zu sagen! Mich von niemandem überzeugen lassen, dass ich Pillen, Drogen, Alkohol, Süßes brauche, nichts annehmen, wenn mir jemand was anbietet!!
Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein entwickeln: Wissen was ich will , das sind sehr gute Vorbeugungsmöglichkeiten! Kritisches Hinterfragen (z.B. Werbung!)
Sich informieren (Bezug zum Theaterstück: es war gut, dass sich Tilly in der Apotheke informiert hat über schädliche Inhaltsstoffe!)
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